Margarete Naumann, eine ungewöhnliche Frau

Foto: privat

Geboren 1881 in Chemnitz, gestorben 1946 in Hannover, erlebte sie den Siegeszug der Textilmaschinen und dadurch den Rückgang der Heimindustrie im Erzgebirge und Vogtland. Sie fühlte sich aufgerufen, den notleidenden Menschen zu helfen.

Als Kunstgewerblerin glaubte sie, eine interessante neue Handarbeitstechnik könne am Markt Aufmerksamkeit erregen und Nachfrage wecken. Sie ersann eine Bündelungstechnik, in der Fäden in unterschiedlicher Weise zusammengefasst werden und ebenso aus dem Bündel wieder heraustreten können. Diese Idee ließ sie sich patentieren als ein „Verfahren zur Herstellung von Spitzen und spitzenähnlichen Erzeugnissen“. Sie hatte das Ziel, dies Verfahren in verschiedenen textilen Techniken auszuführen. Es gab Versuche dazu in der Klöppelspitze, aber besonders ergiebig zeigte sich diese Idee in Verbindung mit dem Rippenknoten der Makrameearbeit, sodass daraus die Margaretenspitze, die Margaretentechnik entstand.

Gleichzeitig hielt sie es für notwendig, die schöpferischen Kräfte der Heimarbeiterinnen zu unterstützen. So entwickelte sie eine Gestaltungslehre, in der Papierarbeiten, Stickereien und Perlarbeiten entstanden, die für diese Zeit ungewöhnlich und neuartig waren.

Zwischen 1914 und 1925 erhielt sie die Gelegenheit, mehrere Jahre lang in Plauen an der Kunstschule für Textilindustrie nach ihren Grundsätzen zu unterrichten. Nach ihrer Zeit in Plauen bekam sie einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule Magdeburg, wo Papierarbeiten einen Schwerpunkt ihres Unterrichts bildeten. Hier blieb sie zwei Jahre und zog dann nach Hannover. Hier war sie freiberuflich tätig. Sie gab Kurse für Gestaltungslehre, in denen man nicht nur ästhetisch schöne Gebilde arbeitete, sondern auch Transparente, aus Papier gefaltete Kostüme für Aufführungen, Dekorationen für Feste und sehr viel Weihnachtsschmuck.

Sie hielt viele Vorträge und beteiligte sich an Ausstellungen. Mehrere einflussreiche Frauen unterstützten ihre Bestrebungen. Sie schrieb an einem Buch zur Gestaltungslehre, das ihre Ideen, ihr System der Öffentlichkeit vorstellen sollte. Leider verbrannte dieses Manuskript im 2. Weltkrieg bei einem Bombenangriff und Margarete Naumann verstarb kurz danach.

So finden wir heute nur noch Exponate in einigen Museen, Aufsätze und Abbildungen in alten Zeitschriften und Weihnachtsschmuck in einigen Familien ihrer damaligen Kursteilnehmerinnen als Zeugnisse dieses schöpferischen Frauenlebens.

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